Von: Andreas Wilhelm An: Mai 15, 2017 In: Allgemein, Figuren & Psychologie Kommentare: 0

Kerstin Koblitz beschreibt ihre Eindrücke und Erfahrungen nach den ersten 4 Monaten der Montségur Akademie:


 

kerstin2Für mich war der Beginn der Akademie zunächst eine einzige Mutprobe, weil ich nicht wusste, was auf mich zukommt. Der Mut hat sich aber gelohnt. Und zwar in mindestens zweierlei Hinsicht: Zum einen kommt man mit Leuten zusammen, die dasselbe Anliegen haben, zu lernen, wie man einen Roman schreibt. Man trifft im Alltag nicht mit solchen Leuten zusammen, und selbst Schreibgruppen bilden meist nicht eine solch homogene und doch in sich unterschiedlich aufgefächerte Gruppe. Zum anderen kommt man aus seinem eigenen Schreibdunst heraus und sieht, wie und was die anderen so schreiben. Man lernt, auf andere Texte einzugehen, zuzuhören, wofür man natürlich offen sein muss, und – das ist das Beste – man wird vor die Tatsache gestellt, seinen eigenen Roman vorzustellen, sein Thema zu verbalisieren und einer kritischen Diskussion auszusetzen, die einem selbst entweder Widersprüche im Text offenbart oder die einen auf neue Ideen bringt. Solche Diskussionen sind herausfordernd, aber eben auch ungemein förderlich!

Zum Modul selbst: Mir war gar nicht klar, wie wichtig es ist, die eigenen Figuren zu kennen.  Alles geht von den Charakteren aus. Ich glaube sogar (vielleicht ein wenig zugespitzt), dass im Roman gar nichts großartig passieren muss, dass action gar nicht nötig ist, wenn nur die Charaktere gut angelegt sind. Die Charaktere machen die Handlung aus. Die Psychologie der Figuren, der Protagonisten und Antagonisten, wie sie denken, wo sie herkommen, welche Defizite sie habe, wie man sie in ihren verschiedenen Dimensionen entwickelt, genau das haben wir gelernt. Dabei waren die Lerninhalte m.E. nicht schwer oder umfangreich, aber es wurde gleich von Anfang an Wert darauf gelegt, das Ganze anzuwenden. Das war dann das eigentlich Schwere. Die eigenen Figuren anhand der psychologischen Inhalte, die wir gelernt haben, so auseinanderzunehmen, dass wir sie in der Tiefe kennenlernen.  All dies hat Bettina uns beigebracht und dieses Wissen ist etwas fürs Leben. Man kann es überall anwenden, nicht nur für den nächsten Roman.

Die Textaufgaben wollte ich auf keinen Fall missen. So bleibt alles aktuell, es gerät nichts in Vergessenheit, dafür hat Bettina immer  gesorgt und man beginnt, sich auf einer anderen, professionelleren Ebene intensiv mit den Figuren auseinanderzusetzen. Das ist sehr fruchtbar gewesen, zumindest für meinen Roman, ich sehe jetzt viel klarer und stringenter meine Protagonistin durch das Geschehen gehen. Sehr hilfreich waren Bettinas Fragen und Kommentare zu den Textaufgaben. Vor allem die Fragen habe ich habe als absolut gewinnbringend erfahren, und zwar insofern, als man durch das Nachdenken und Antworten suchen auf die Fährte gelenkt wird, auf die es ankommt.

Sehr lohnend ist das Tandem. Auch hier muss natürlich eine grundlegende Offenheit für andere Texte da sein. Also da lernt man ein anderes Romanprojekt nicht nur kennen, sondern man beobachtet, wie sich nach und nach die Figuren entwickeln, man lernt, anders zu lesen, man fängt selber an, so kluge Fragen zu stellen wie Bettina. Das ist ein Zeichen, dass man auf dem besten Weg ist, zu verinnerlichen, was man gelernt hat.

Alles in allem: Allein das erste Modul hat mich enorm weitergebracht. Ein ganz großes Lob an Bettina! Ich schwimme nicht mehr so orientierungslos herum, sondern habe Wegweiser vor Augen, die mir vor allem eins vorgeben, mein Ziel.

Zwei Module haben wir  nun noch vor uns, auf die ich mich sehr freue. Ich stelle mir vor, dass sie genauso intensiv vonstatten gehen werden. Eines ist klar: Wir lernen hier das Handwerk eines Schriftstellers!

Kerstin Koblitz

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