Von: Larissa Hieber An: Juni 27, 2017 In: Figuren & Psychologie, Stimmen Kommentare: 0

Nachdem das erste Modul der 2-jährigen Ausbildung der Montségur Akademie nun erfolgreich abgeschlossen ist, freuen wir uns über die Begeisterung der Teilnehmer. Larissa Hieber, die als Stipendiatin des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg an der Akademie teilnimmt, fasst ihre bisherigen Eindrücke zusammen:


 

LarissaHieber

Vergangenes Wochenende hat das vierte Seminar des Figurenpsychologie-Moduls der Montségur Akademie in Konstanz stattgefunden und wir sind alle sehr traurig, dass wir Bettina Wüst nun an die nächste „Montségur-Generation“ abgeben müssen.

Zum Glück ist sie bei unserem siebten Seminar-Modul noch einmal begleitend dabei! Nun freuen wir uns auf Kerstin Mehle, die die drei nächsten Seminare in Konstanz hält und unseren Romanhandlungen hoffentlich noch etwas auf die Sprünge hilft.
Während der vergangenen vier Monate ist innerhalb unserer Romane viel passiert: unsere Motivationen für genau diese Romanidee wurden herausgearbeitet, die Figurenprofile geschärft, Inkonsistenzen aufgedeckt und somit das Grundgerüst zu etwas „Rundem“ gemacht. Manche von uns sind „Bauchschreiber“ und haben bisher lediglich eine Romanidee und einzelne Szenen vorliegen, die „Planer“ von uns haben bereits alle Handlungsstränge entwickelt und zu jeder Szene eine kurze Zusammenfassung geschrieben. Dennoch tut dies der gemeinsamen „Arbeit“ nichts ab, im Gegenteil: wir profitieren von den unterschiedlichen Herangehensweisen und so manch einer hat sich schon etwas von der gegensätzlichen Strategie zu eigen gemacht. Und egal wie ausführlich und detailliert die einzelnen Romanprojekte bisher vorliegen: eine Entwicklung hat jedes Projekt vollzogen!

Ich gehöre zu den „Bauchschreibern“, und mir hat es gutgetan, dass die Betreuung so engmaschig und persönlich war. So konnte ich mich nicht in den spontanen und intuitiven „Schreibrausch“ flüchten, sondern musste regelmäßig und zu bestimmten Fristen Textaufgaben abgeben und Fragebögen zu meinem Romanprojekt ausfüllen. Somit war ich gezwungen, mich auch mit den scheinbar „nüchternen“ Aspekten zu befassen und über bestimmte Themen und Aspekte zu schreiben, anstatt nur über das, was mir gerade so in den Sinn kommt.

Nun sind wir alle an dem Punkt, dass unsere Figurenprofile klar vor uns liegen und endlich die Handlung des Romans erstürmen wollen – deshalb sind wir gespannt, was das Modul „Plot & Dramaturgie“ noch so mit uns macht.

Innerhalb der Seminare hatten wir eine gesunde Mischung aus Theorie und praktischer Arbeit an unserem Roman. Doch so genau ließ sich das gar nicht trennen, da wir dank Bettinas Konzept, Aspekte des Theaters und des Films auf Romane anzuwenden, schon mit der Theorie sehr nah an der Praxis und unseren konkreten Romanen dran waren. Vieles wurde mit Filmbeispielen erklärend unterstützt.

Nach jedem Seminarwochenende bekamen wir Textaufgaben, die wir zu bestimmten Terminen an Bettina und unseren jeweiligen Tandempartner abgeben mussten. Diese wurden dann gelesen, und wir bekamen ein Feedback bzw. kritische Fragen. Mir persönlich hat es sehr geholfen, dass jemand meine Texte und Fragebögen liest, da erstens eine größere Motivation entsteht, es überhaupt zu schreiben, und zweitens die Qualität des Feedbacks sehr hoch war. Auch mit der Auswahl der Tandempartner hat Bettina ins Schwarze getroffen – eine sehr bereichernde und harmonische Zusammenarbeit!

Doch nicht nur die „Arbeit“ an unseren Romanen ist bereichernd und harmonisch, auch unsere Runde erlebe ich als persönliche Bereicherung. In den Pausen wird viel geredet und gelacht, das gemeinsame Abendessen am Samstagabend des Seminars ist nicht mehr wegzudenken. Im Herbst dieses Jahres und im Sommer nächsten Jahres wollen wir sogar, außerhalb der Montségur Akademie, gemeinsamen „Schreiburlaub“ machen, um jeweils eine Woche lang an unseren Romanen arbeiten zu können und als besonderes Plus immer viele aufgeschlossene Autoren um uns herum zu haben, die ein offenes Ohr für Fragen haben und uns und den Roman so gut kennen, dass eine Schreibkrise erst gar nicht auftritt.

Fazit: Ein super Format und darüber hinaus bisher einmalig, mit einer sehr, sehr netten und engmaschigen Betreuung – trotzdem noch machbar neben Beruf oder Studium. Ich freue mich auf die weiteren Seminare in Konstanz und Berlin – und jedes Mal auf die nette Truppe, die sich gemeinsam mit mir auf den weiten Weg des Romans macht, der sich nach und nach gar nicht mehr soo weit anfühlt.

Larissa Hieber

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